Probezeit – Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Probezeit – Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Das Bewerbungsverfahren ist erfolgreich überstanden endlich ist der neue Job sicher. Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben und alle Zeichen stehen auf Anfang. Nun muss man sich bewähren, denn annähernd alle Arbeitsverhältnisse beginnen mit einer Probezeit. Arbeitnehmer stehen der Probezeit häufig skeptisch gegenüber – schließlich gibt sie dem Arbeitgeber die Gelegenheit, jemanden schnell wieder loszuwerden. Die Probezeit ist allerdings keine einseitige Regelung, vielmehr bietet diese auch Arbeitnehmern die Möglichkeit, genau zu prüfen, ob sie sich einen Verbleib im neuen Unternehmen vorstellen können. Denn im Bewerbungsprozess präsentieren sich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber natürlich von ihrer Schokoladenseite – häufig stellt sich dann erst im Nachhinein heraus, dass es unter Umständen gute Gründe gibt, die Reißleine zu ziehen. Die Probezeit ist also eine entscheidende Test- und Orientierungsphase für Arbeitgeber und Mitarbeiter

Welche Probezeit ist üblich?

Zwar gibt es keine gesetzliche Probezeit, jedoch wird im Arbeitsvertrag in aller Regel eine Probezeit vereinbart. Üblich sind dabei Zeiträume mit einer Dauer von drei oder sechs Monaten, wobei sechs Monate das Maximum darstellt. Man sollte übrigens genau auf die Formulierung der Probezeitklausel achten, denn sie verrät, wie es nach der Probezeit weitergehen wird.

Üblicherweise wird ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vereinbart mit einer vorgeschalteten Probezeit. Es bedarf daher einer aktiven Beendigung des Arbeitsverhältnisses innerhalb der Probezeit, wenn eine Trennung gewünscht ist, diese erfolgt nicht automatisch.

Eine gängige Formulierung hierfür lautet:

„Das Arbeitsverhältnis beginnt zum xx.xx.xxxx. Es wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart.“

Eine eher seltene (und die für den Arbeitnehmer unangenehmere) Fassung ist die des befristeten Probearbeitsverhältnisses. Damit ist der Arbeitnehmer nur befristet angestellt – dies ist auch zulässig, da die Erprobung ein tauglicher Sachgrund für die Befristung ist. Das Arbeitsverhältnis endet nach Ablauf der Probezeit. Will der Arbeitgeber den Mitarbeiter weiterbeschäftigen, bietet er ihm einen Anschlussvertrag an.

Im Arbeitsvertrag findet sich dann ungefähr folgende Formulierung:

„Das Arbeitsverhältnis ist zum Zwecke der Erprobung bis zum xx.xx.xxxx befristet und endet daher ohne dass es einer Kündigung bedarf mit dem Ablauf des xx.xx.xxxx.“

Welche Kündigungsfrist gilt in der Probezeit?

Für die Probezeit sieht der Gesetzgeber in § 622 Absatz 3 BGB eine zweiwöchige Kündigungsfrist vor. Es handelt sich hierbei, wie bei anderen Kündigungsfristen auch, um eine Mindestkündigungsfrist. Die Frist kann mit einem längeren Lauf arbeitsvertraglich vereinbart werden oder auch mit einem längeren Lauf ohne abweichende Vertragsgrundlage ausgesprochen werden, üblicherweise jedoch werden zwei Wochen vereinbart und auch angewandt. Auch am letzten Tag der Probezeit ist dies noch möglich – das Arbeitsverhältnis endet dann zwei Wochen nach Ablauf der vereinbarten Probezeit. Einer Begründung für die Kündigung bedarf es übrigens nicht, einzig ein bestehender Betriebsrat wäre vor Ausspruch einer Probezeitkündigung mit entsprechender Kündigungsbegründung anzuhören.

Wie stehen Probezeit und Kündigungsschutz zueinander?

Der allgemeine Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG) gilt für den Arbeitnehmer erst, wenn er mindestens sechs Monate im Betrieb beschäftigt ist und zudem über zehn Mitarbeiter (abhängig von der wöchentlichen Stundenzahl) dort beschäftigt werden. Dieser Kündigungsschutz greift daher erst nach der Probezeit.

Welcher Kündigungsschutz gilt für Schwangere?

Einer schwangeren Arbeitnehmerin darf auch während der Probezeit nicht gekündigt werden. Bei einer vorgeschalteten Probezeit gilt der besondere Kündigungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) für schwangere Arbeitnehmerinnen bereits vom ersten Tag an. Eine Wartezeit ist hier gesetzlich nicht vorgesehen.

Wurde jedoch ein befristetes Probearbeitsverhältnis vereinbart (wie oben erläutert), besteht kein Bestandsschutz – der befristete Arbeitsvertrag endet mit dem Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer.

Besteht ein Anspruch auf Urlaub in der Probezeit?

Hartnäckig hält sich die Irrglaube, dass Arbeitnehmer während der Probezeit keinen Urlaub nehmen dürften. Dies stimmt so nicht. Arbeitnehmer können während der Probezeit Urlaub nehmen. Den Anspruch auf vollen gesetzlichen Urlaub erlangt man gem. § 4 BurlG (Bundesurlaubsgesetz) jedoch erst nach Ablauf von sechs Monaten nach dem Beginn des Arbeitsverhältnisses. Rechnerisch erwerben Mitarbeiter aber für jeden vollen Monat ein Zwölftel ihres Jahresurlaubs – es besteht nur kein Anspruch darauf, den vollen Urlaub bereits während der Probezeit zu nehmen.

Wer während der Probezeit also ein paar Tage Urlaub nehmen möchte, sollte dies mit dem Vorgesetzten besprechen. Dies kann auch aus dem Blickwinkel des Arbeitgebers durchaus sinnvoll sein, denn ansonsten besteht das Risiko, dass der Arbeitnehmer dann gegen Ende des ersten Beschäftigungsjahres seinen gesamten Resturlaub aufbrauchen muss und so wochenlang nicht zugegen ist.

Einen anteiligen Urlaub in der Probezeit kann der Arbeitnehmer nur dann verweigern, wenn nachweislich dringende betriebliche Gründe oder bereits genehmigter Urlaub von Arbeitskollegen dagegensprechen. Den Urlaub mit einem pauschalen Verweis auf die Probezeit abzulehnen, ist jedoch unzulässig.

Wie wirkt sich eine Erkrankung in der Probezeit aus?

Wer gerade erst in einem neuen Job gestartet ist, möchte sich natürlich während der Probezeit nur ungern krankmelden. Manchmal lässt es sich aber eben nicht vermeiden. Im Krankheitsfall während der Probezeit gilt das ansonsten übliche Procedere zur Krankmeldung und – abhängig von der Dauer der Erkrankung und der Ausgestaltungen im Arbeitsvertrag – der Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Auch wer während der Probezeit krank das Bett hüten muss, hat Anspruch auf eine sechswöchige Zahlung von Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Arbeitsverhältnis schon mindestens vier Wochen ohne Unterbrechung bestanden hat. Ist ein Mitarbeiter noch keine vier Wochen dabei und erkrankt, springt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse ein. Sie zahlt dem Arbeitnehmer dann Krankengeld, dessen Höhe allerdings unter der vereinbarten Vergütung liegt.

Wie ist auf eine Probezeitkündigung zu reagieren?

Es entspricht der heutigen Arbeitsmarktkultur, schnelle Trennungen von Arbeitsverhältnissen vorzunehmen. Eine Probezeitkündigung ist dennoch für die allermeisten Arbeitnehmer keine willkommene Erfahrung. Manchmal passen die Parteien eben einfach nicht zusammen. Rechtlich allerdings liegen auch in Probezeitkündigungen Tücken (Formvorschriften, Fristen, Betriebsratsbeteiligungen, etc.), die Sie als Chancen nicht außer Acht lassen sollten.

Rund um das Thema Probezeit stehen wir – Dr. Granzin Rechtsanwälte – Ihnen mit unserer langjährigen Erfahrung als Fachanwälte für Arbeitsrecht jederzeit unterstützend zur Seite.

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert

Die 10 aktuellsten News Artikel

Ein Fall für den Pfichtverteidiger?

Kuschelkurs im Gerichtssaal. Die Pflichtverteidigung hat in Deutschland nicht den besten Ruf. Das liegt nicht zuletzt an der Bestellungspraxis der Gerichte: Einen Überblick über die bisherige Bestellungspraxis und einen Ausblick auf mögliche Änderungen findet Ihr in unserem neuen Artikel

Weiterlesen
Muslima Kopftuch Rosenkranz

Immer wieder beschäftigen Kopftuchverbote die deutschen Gerichte. Dass es in den Streitigkeiten um weit mehr als nur ein Stück Stoff drehen, zeigen die hitzigen Debatten rund um dieses Thema. Ein Fall aus Hamburg liegt nun dem Europäischen Gerichtshof vor – wir erklären, worum es dabei geht.

Weiterlesen
Verjährung im Strafrecht

Mord verjährt nicht. Alle anderen Straftaten schon, hier hält das Gesetz zeitliche Einschränkungen im Strafrecht genauso wie in den anderen Rechtsgebieten bereit - wir verschaffen Euch einen Überblick!

Weiterlesen
Vererbbarer Urlaub

Wir wünschen einen guten Start ins Jahr 2019!

Jahresanfang heißt Urlaubsplanung – Ende letzten Jahres hat sich der EuGH in zwei wichtigen Entscheidungen zum Urlaub ausgelassen. Wir bringen Euch heute auf europarechtlichen Stand zum Thema: Erbschaft inklusive Urlaub? Kein Problem!

Weiterlesen
Parkplatzunfall - Was tun, wenn es kracht?

Schöne Bescherung! Wenn´s kracht und scheppert ist die Besinnlichkeit dahin. Weihnachtsstress und überfüllte Parkplätze - eine verhängnisvolle Kombination. Einmal kurz nicht aufgepasst und schon ist es passiert. Zwar hat ein Rempler auf dem Parkplatz meist keine allzu tragischen Folgen, zum Erhalt...

Weiterlesen
Halloween – Süßes oder Saures?

Am Mittwoch, den 31. Oktober ist es wieder soweit: Das Gruselfest Halloween wird gefeiert. Die Gelegenheit für Jung und Alt, gruselig maskiert durch die Straßen zu ziehen und mit mehr oder minder gelungenen Streichen ihr Unwesen zu treiben...

Weiterlesen
Whistleblowing – Verpfeifen erlaubt?

Whistleblower – für die einen sind sie Helden, die im Dienste der Gerechtigkeit Missstände im eigenen Unternehmen aufdecken, andere hingegen sehen sie als „Verräter“. Wer sich als Arbeitnehmer mit vermeintlichen oder tatsächlichen Enthüllungen...

Weiterlesen
Anwalt Facebook