Ratgeber Arbeitsrecht

Als Fachanwälte für Arbeitsrecht haben wir einen umfangreichen Ratgeber zu diesem Rechtsgebiet für Sie erstellt. Sie finden hier zunächst einen Überblick zu den Themen, zu denen Sie im Folgenden ausführliche Informationen und Tipps zu häufig vorkommenden Situationen im Arbeitsalltag erhalten. Bitte beachten Sie hierbei, dass die Lektüre dieses Ratgebers keine fachanwaltliche Beratung ersetzt. Konsultieren Sie daher für Ihre individuellen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten einen Fachanwalt.

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Überblick

1. Welche Kündigungsfrist gilt für mich?

Die Berechnung der richtigen Kündigungsfrist ist zuweilen nicht ganz einfach und mancher Arbeitgeber verrechnet sich (nicht selten absichtlich) zu Ungunsten des Gekündigten. Die für den Einzelfall geltende Frist ergibt sich aus den Vereinbarungen des geschlossenen Arbeitsvertrages, dem Gesetz und ggf. aus dem für das Arbeitverhältnis gültigen Tarifvertrag. Maßgeblich für die Errechnung der richtigen Frist ist dabei vor allem die bisherige Dauer des Arbeitsverhältnisses. Grundsätzlich gilt: Je länger das Arbeitsverhältnis gedauert hat, desto länger ist auch die „Auslauffrist“ bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Das Gesetz hält zum Schutze des Arbeitnehmers Grundkündigungsfristen bereit, die auch durch den Arbeitsvertrag nicht beliebig verkürzt werden können. Hier gilt der alte Satz, demzufolge „Papier geduldig“ ist – verlassen Sie sich auf keinen Fall darauf, dass eine im Arbeitsvertrag vereinbarte und ggf. in der Kündigungserklärung genannte Frist schon „OK“ wäre. Durch die Kündigungserklärung hat Ihr Arbeitgeber deutlich genug zum Ausdruck gebracht, dass er Ihnen nichts Gutes will.

Tipp: Vertrauen Sie die Überprüfung der Kündigungserklärung auf jeden Fall dem Fachmann an. Selbst wenn Sie sich in Ausnahmefällen nicht gegen die Kündigung als solche wehren können sollten, müssen Sie eine falsch berechnete Kündigungsfrist nicht wehrlos hinnehmen – jeder weitere Tag des Fortbestehens des Arbeitsverhältnisses ist „bares Geld“ für Sie.

2. Was ist eine betriebsbedingte Kündigung?

Geradezu der „Klassiker“ einer Beendigungskündigung ist die sogenannte betriebsbedingte Kündigung. Der Hintergrund ist stets der, dass der Arbeitgeber sinngemäß behauptet, aus betrieblichen Gründen – zumeist angeblich aus Arbeitsmangel – wäre die Möglichkeit der Beschäftigung des Gekündigten weggefallen.

Diese Behauptung gilt es indes, sehr kritisch „unter die Lupe zu nehmen“. Wenn etwa im Betrieb ständig Überstunden gemacht werden, die Auftragsbücher gut gefüllt sind oder nach Ihnen andere Arbeitnehmer eingestellt wurden, so kann von Arbeitsmangel sicher nicht mehr die Rede sein. Wenn es sich sodann nicht um einen sehr kleinen Betrieb mit sehr wenigen Mitarbeitern handelt, müsste die Kündigung außerdem „sozial ausgewogen“ sein. Konkret heißt dies, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht wahllos Mitarbeiter gekündigt werden dürfen – der Arbeitgeber hat eine Auswahl nach sozialen Kriterien wie Lebensalter, Unterhaltsverpflichtungen, Betriebszugehörigkeit oder einer evtl. Schwerbehinderung vorzunehmen und darf nur demjenigen kündigen, den die Kündigung am wenigsten hart trifft. Nur allzu gern werden diese Vorraussetzungen indes missachtet und stattdessen die Kündigung gegenüber einem Mitarbeiter ausgesprochen, den der Arbeitgeber aus anderen Gründen einfach gerne „loswerden“ will.

Tipp: Nehmen Sie eine angeblich betriebsbedingte Kündigung auf keinen Fall unüberprüft hin – die Mehrzahl aller betriebsbedingter Kündigungen ist unwirksam und es lässt sich zumindest eine Abfindung zugunsten des Arbeitnehmers erwirken!

3. Ich bin zurzeit krankgeschrieben – darf mein Arbeitgeber mir trotzdem kündigen?

Die Erkrankung des Arbeitnehmers schützt diesen nicht vor dem Ausspruch einer Kündigung. Eine Kündigung kann sogar wegen (!) einer längerfristigen oder ständig wiederkehrenden Erkrankung eines Arbeitnehmers ausgesprochen werden – in diesem Falle handelt es sich um eine sogenannte „krankheitsbedingte“ Kündigung.

Tipp: Lassen Sie eine Kündigung, die Sie im Krankschreibungszeitraum erreicht, nicht liegen, bis Sie sich wieder besser fühlen, sondern lassen Sie die Kündigung (notfalls über einen Angehörigen) Ihrem Anwalt zukommen. Die im Kündigungsfalle einzuhaltenden Fristen laufen unerbittlich auch für den erkrankten Arbeitnehmer weiter!

4. Mir wurde fristlos gekündigt – was bedeutet das für mich?

Oftmals enthalten fristlose Kündigungen die Wendung, dass der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ auflösen will. Hierbei handelt es sich lediglich um eine Formulierung, mittels derer der Arbeitgeber im Falle der gerichtlichen Feststellung der Unwirksamkeit der fristlosen Kündigung sicherstellen will, den Arbeitnehmer spätestens nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist „loszuwerden“.

Tipp: Zögern Sie nicht, im Falle des Erhaltes einer fristlosen Kündigung einen auf das Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt mit dem Kampf um Ihr Recht vor Gericht zu beauftragen – der fristlos gekündigte Arbeitnehmer hat nichts zu verlieren. Das angestrebte Ergebnis sollte mindestens die Umwandlung in eine ordentliche, fristgerechte Kündigung sein, um Ihren Arbeitslosengeldanspruch zu „retten“. Besprechen Sie mit Ihrem Anwalt in jedem Falle aber auch die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung oder den Erhalt einer Abfindungsleistung.

Selbst im Falle eines verlorenen Prozesses wären in erster Instanz die Anwaltskosten der Gegenseite gemäß § 12 a ArbGG nicht zu tragen.

5. Ich habe eine Änderungskündigung erhalten – was bedeutet das?

Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber eine sogenannte Änderungskündigung zugestellt hat, so halten Sie ein Schriftstück mit rechtlich vergleichsweise komplexem Inhalt in den Händen. Zum Mittel der Änderungskündigung greift der Arbeitgeber dann, wenn er die Arbeitsbedingungen des Arbeitnehmers abändern möchte, dies aber nicht im Wege einer Versetzung vornehmen kann, weil der Arbeitsvertrag ihm dieses Recht nicht ermöglicht (so etwa wenn eine Umsetzung an eine fern gelegene Betriebsstätte vorgenommen, die Art der Tätigkeit deutlich geändert, die Arbeitszeit oder das Gehalt geändert werden sollen). Mittels der Änderungskündigung kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis, bietet aber gleichzeitig die Fortsetzung des Arbeitverhältnisses – eben mit den geänderten Bedingungen – an.

6. Was kann ich bei Erhalt einer Änderungskündigung tun?

Ebenso komplex wie die Rechtsnatur der Änderungskündigung sind auch die Reaktionsmöglichkeiten des Arbeitnehmers auf den Erhalt der Änderungskündigung. Er kann zum Einen die im Wege des Erhaltes der Änderungskündigung angebotenen Arbeitsbedingungen annehmen, wobei der Arbeitnehmer hierfür an sich gar nichts zu tun braucht. Nach Ablauf der vom Arbeitgeber im Wege der Kündigung genannten Frist treten automatisch die neuen, geänderten Arbeitsbedingungen in Kraft. Zum Zweiten kann der betroffene Arbeitnehmer die geänderten Arbeitsbedingungen durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber schlichtweg ablehnen. (Diese Reaktion wird immer dann angezeigt sein, wenn die geänderten Arbeitsbedingungen unzumutbar sind, etwa wenn eine verheiratete, mehrfache Mutter in eine weit entfernte Stadt „versetzt“ wird, eine der Qualifikation des Arbeitnehmers absolut nicht entsprechende Tätigkeit ausgeübt oder das Gehalt drastisch verringert werden soll.)
Im Falle der Ablehnung der geänderten Arbeitsbedingungen wandelt sich die Änderungskündigung zwingend in eine „normale“ Kündigung, also in eine Kündigung die dann, wenn Sie nicht erfolgreich vor dem Arbeitsgericht gerichtlich angegriffen wird, das Arbeitsverhältnis zum vom Arbeitgeber genannten Zeitpunkt auflöst (!). In diesem Falle muss die Kündigung unbedingt vor dem Arbeitsgericht angegriffen und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

Letztlich kann der betroffene Arbeitnehmer die geänderten Arbeitsbedingungen „unter Vorbehalt“ annehmen und bei weiterbestehendem Arbeitsverhältnis die gerichtliche Klärung der Frage anstreben, ob die geänderten Arbeitsbedingungen für den Arbeitnehmer zumutbar sind oder nicht.

Tipp: Die sich bei Erhalt einer Änderungskündigung aufwerfenden Fragen sind regelmäßig so komplex, dass selbst nicht spezialisierte Juristen mit ihrer Beantwortung heillos überfordert sind. Suchen Sie nach dem Erhalt einer Änderungskündigung unbedingt einen auf das Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt auf.

7. Wie lange bekomme ich nach Erhalt der Kündigung noch Gehalt und wie viel?

Unabhängig von der Frage, wie lange die Kündigungsfrist Ihres Arbeitsverhältnisses ist und davon, ob die vom Arbeitgeber ausgesprochene Kündigung wirksam ist oder nicht, wird Ihr Arbeitgeber Ihnen das Gehalt lediglich bis zum Ablauf der Kündigungsfrist bezahlen, die er selber ausgerechnet hat. Bei einer ordentlichen Kündigung ist dies im Allgemeinen der Zeitraum bis zum Beendigungsdatum, welches der Arbeitgeber im Kündigungsschreiben benennt. Kündigt der Arbeitgeber hingegen fristlos, so endet der Bezug des Gehaltes mit dem Tage des Zugangs des Kündigungsschreibens. Der Arbeitgeber muss Ihnen das Gehalt „bis zum letzten Tag“ in der Höhe zahlen, wie Sie es üblicherweise erhalten, also inklusive aller Zulagen, etc. Dies gilt auch für den Fall, dass Ihr Arbeitgeber Sie zusammen mit der Übergabe der Kündigung freigestellt, also „nach Hause geschickt“ hat.

Die Bundesagentur für Arbeit gewährt dem Gekündigten zumeist ohne Überprüfung der Richtigkeit des arbeitgeberseitig errechneten Beendigungsdatums nach dem letzten bezogenen Gehalt den Arbeitslosengeldanspruch. Im Allgemeinen ist daher keine „Versorgungslücke“ im Hinblick auf die laufenden Kosten des Gekündigten zu fürchten. (Zu beachten ist indes, dass das Arbeitslosengeld lediglich 63 % der Höhe des Durchschnitts-Nettogehaltes der letzten 13 Wochen beträgt; für Gutverdienende ist der Arbeitslosengeldanspruch zudem auf einen Höchstbetrag „gedeckelt“.)

Eine Ausnahme stellt hier indes der Fall dar, dass der Arbeitgeber fristlos gekündigt hat. Die BfA verhängt sodann in fast allen Fällen eine 3-monatige „Sperrfrist“ im Hinblick auf den Arbeitslosengeldanspruch. Der plötzliche Ausfall von Gehalt und die Sperrfrist im Hinblick auf den Arbeitslosengeldbezug können dramatische Konsequenzen für den Gekündigten nach sich ziehen (Verzug mit der Wohnungsmiete oder bezüglich Kreditverbindlichkeiten, etc.).

Tipp: Nicht nur die Wirksamkeit einer Kündigung an sich sollte unbedingt durch einen arbeitsrechtlich spezialisierten Anwalt überprüft werden – auch die Frage, ob der Arbeitgeber die Kündigungsfrist zutreffend errechnet hat, gehört unbedingt geklärt – jeder weitere Tag des Fortbestehens des Arbeitsverhältnisses bedeutet „bares Geld“ für Sie.

8. Habe ich im Kündigungsfall Anspruch auf eine Abfindung und wenn ja – wie hoch?

Hier gilt ein klares „Jein!“. Abgesehen von wenigen Ausnahmefällen gibt es an sich keinen gesetzlichen Anspruch auf den Erhalt einer Abfindungsleistung. Freiwillig, das heißt ohne vorher verklagt worden zu sein, bieten nur die wenigsten Arbeitgeber eine Abfindung an.

Es gibt auch nicht die Möglichkeit, den Arbeitgeber wegen der ausgesprochenen Kündigung unmittelbar auf Zahlung einer Abfindung zu verklagen. Im Kündigungsfall kann der betroffenen Arbeitnehmer lediglich mittels einer Kündigungsschutzklage, die das Prozessziel der Weiterbeschäftigung hat, die Unwirksamkeit einer ausgesprochenen Kündigung gerichtlich feststellen lassen.

Allerdings hat der Arbeitgeber durch die Kündigung in den meisten Fällen zugleich zum Ausdruck gebracht, dass er (ungeachtet dessen, wie er die Kündigung begründet) mit dem gekündigten Arbeitnehmer nicht mehr zusammenarbeiten möchte. Zeichnet sich im Verlauf eines über die Wirksamkeit der Kündigung geführten Rechtstreits ab, dass die angegriffene Kündigung unwirksam ist und der gekündigte Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz wiedererlangen würde, so steht der Arbeitgeber nicht selten vor zwei Problemen: Zum einen müsste er dem über den Zeitraum des Kündigungsrechtsstreites ggf. beschäftigungslosen Arbeitnehmer (bzw. auch der Bundesagentur für Arbeit) das gesamte „aufgelaufene“ Gehalt bis zum Zeitpunkt des Urteils nachzahlen sowie alle Sozialabgaben nachentrichten. Leicht auszurechnen, dass angesichts sich ggf. über mehrere Monate hinziehender Rechtstreitigkeiten sich hierbei erhebliche Beträge aufsummieren.

Zum anderen hat der Arbeitgeber ggf. den Arbeitsplatz des Gekündigten auch schon wieder neu besetzt. Abgesehen von der „Peinlichkeit“, die Niederlage im Gerichtsverfahren einräumen zu müssen, steht der Arbeitgeber vor dem Dilemma, nunmehr den alten Arbeitsplatz wieder räumen und den ggf. neu eingestellten Mitarbeiter kündigen zu müssen, der ggf. dann seinerseits den Arbeitgeber verklagt…

Diese teils finanziell unwägbaren Risiken kann der Arbeitgeber umgehen, indem er dem gekündigten Arbeitnehmer anbietet, dass dieser sich mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses gegen Abfindungsleistung einverstanden erklärt. Kurz gesagt wird dem gekündigten Mitarbeiter der Arbeitsplatz mit der angebotenen Abfindung praktisch „abgekauft“.

9. Wie hoch ist die Abfindung, die ich erhalten kann?

Die Höhe der Abfindung lässt sich nicht schematisch bestimmen. Zwar gibt es grobe „Faustformeln“ anhand derer nicht wenige Kündigungsschutzverfahren gelöst werden. Nicht unüblich ist etwa eine Berechnungsweise, der zu Folge für jedes volle Jahr der Beschäftigung des Arbeitnehmers ½ Bruttomonatsgehalt als Abfindung gezahlt wird.

Allerdings ist eine evtl. Abfindungssumme immer einzelfallbezogen auszuhandeln.
Je nachdem, wie groß das oben beschriebene Risiko des Arbeitgebers ist, evtl. erhebliche Gehaltsummen nachzahlen zu müssen, mag auch die Bereitschaft des Arbeitgebers steigen, eine ggf. höhere Abfindung zu zahlen. Insoweit kommt es also in erheblichem Maße darauf an, wie wahrscheinlich es ist, dass der gekündigte Arbeitnehmer sich mit seiner Klage im Falle der Durchführung des Verfahrens auch durchsetzen könnte. Je „unwirksamer“ die Kündigung, desto höher die Abfindung…

Tipp: Entwickeln Sie zusammen mit Ihrem Anwalt eine Strategie für das Kündigungsschutzverfahren. Überlegen Sie auf der einen Seite, ob Sie ausreichend Zeit und „Nerven“ haben, um über einen ggf. längeren Zeitraum eine hohe Abfindung „herauszupokern“. Wägen Sie auf der anderen Seite ab, ob Sie lieber einen „freien Kopf“ haben und sich unbelastet von Gerichtsverfahren einer neuen Tätigkeit zuwenden wollen, wobei Sie sodann ggf. Abstriche bei der Höhe der Abfindung in Kauf nehmen müssen.

10. Mein Chef hat mir gekündigt und bietet mir zugleich eine Abfindung an – was soll ich tun?

Niemand hat Geld zu verschenken – Ihr Chef sicherlich auch nicht. Der Umstand, dass man Ihnen bereits bei Ausspruch der Kündigungserklärung eine Abfindung anbietet, lässt erst einmal eines völlig klar erkennen: Der Arbeitgeber glaubt selber nicht an die Wirksamkeit seiner Kündigung. Er weiß, dass er in dem Falle, dass Sie eine Kündigungsschutzklage erheben würden, verlieren würde und will Ihnen Ihren Arbeitplatz mit der angebotenen Abfindung praktisch „abkaufen“. Ebenso klar ist, dass er bei seinem Angebot nicht sofort an seine „Schmerzensgrenze“ geht.

Jetzt gilt es, zuvorderst einmal Ihre Verhandlungsposition festzulegen. Wenn Sie die Weiterbeschäftigung in Ihrer Firma begehren, so ist es angezeigt, mit dem Arbeitgeber zeitnah in Verhandlungen einzutreten und diesem unter Hinweis auf die Unwirksamkeit der Kündigung und die Aussichtslosigkeit der arbeitgeberseitigen Position im Falle eines Gerichtsverfahrens zur Rücknahme der Kündigung zu bewegen.

Halten Sie hingegen die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses angesichts des Ausspruches der Kündigung für ausgeschlossen, so gilt es, das Abfindungsangebot der Arbeitgeberseite möglichst bis über die „Schmerzgrenze“ hinweg „hochzuverhandeln“.

Tipp: Erörtern Sie im Falle einer Kündigungserklärung mit Abfindungsangebot in Zusammenarbeit mit einem auf das Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt zuerst die Frage, ob Sie prinzipiell über eine Abfindung verhandeln möchten oder ob Sie die Weiterbeschäftigung wünschen.

11. Wie verhalte ich mich im Kündigungsfall?

Wenn Sie seitens Ihres Arbeitgebers eine Kündigung erhalten haben, so wird Sie diese vermutlich unerwartet getroffen haben. Verständlicherweise werden Ihnen eine Menge Fragen durch den Kopf schwirren. Gleichwohl sollten Sie sich jetzt nicht allzu viel Zeit nehmen, um sich von dem Schock zu erholen. Zwei Dinge müssen Sie im Optimalfall noch am Tage des Erhaltens der Kündigung tun:

1. Vereinbaren Sie schnellstmöglich einen Termin mit einem versierten, auf das Arbeitsrecht spezialisierten Rechtsanwalt. Manche im Falle von Kündigungen laufenden Fristen – etwa die Frage, ob gewisse Formalien einer formwirksamen Kündigung eingehalten wurden oder nicht – müssen unverzüglich, d. h. binnen weniger Tage nach Erhalt der Kündigung vom Anwalt geprüft und die notwendigen Schritte veranlasst werden.

Auch wenn es Ihnen nicht möglich ist, sogleich einen Anwalt zu konsultieren, beachten Sie unbedingt, dass Sie nach Erhalt einer Kündigung lediglich 3 Wochen Zeit haben, um gegen die Kündigung Klage vor dem Arbeitsgericht zu erheben (!). In jedem Falle hilft Ihnen der Anwalt dabei, jetzt die richtigen Schritte einzuleiten und beantwortet Ihnen die sich jetzt aufdrängenden Fragen nach der Fortzahlung des Gehaltes, evtl. Prozesschancen oder die Frage nach dem Bezug von Arbeitslosengeld.

2. Nehmen Sie sodann Kontakt mit dem für Sie zuständigen Arbeitsamt auf. Auch wenn Ihnen angesichts der noch „frischen“ Kündigung und des gegenwärtig noch weiterbestehenden Arbeitsverhältnisses der Gedanke an einen anderen Arbeitplatz sehr fremd ist, müssen Sie sich unbedingt sehr zeitnah bei der Bundesagentur für Arbeit einfinden. Versäumen Sie es, sich rechtzeitig zu melden, drohen empfindliche Einbußen bei der Höhe des Arbeitslosengeldes (!).

Tipp: Nehmen Sie Kontakt mit uns auf – Sie erhalten in der Regel einen Termin binnen der nächsten 24 Stunden.

12. Was benötigt mein Anwalt, um die Wirksamkeit einer Kündigung zu überprüfen?

Um sich sinnvoll mit Ihrer Kündigungssache befassen zu können, sollte sich Ihr Anwalt ein möglichst vollständiges Bild von Ihrem Arbeitsverhältnis machen können, d.h., dass er nicht nur die vertraglichen Grundlagen Ihres Arbeitsverhältnisses vollständig kennen, sondern sich auch mit den „Rahmendaten“ Ihres Arbeitgebers vertraut machen muss. Folgende Informationen oder Unterlagen helfen Ihrem Anwalt bei der rechtlichen Beurteilung Ihrer Situation:

Der Arbeitsvertrag 
Der Arbeitsvertrag ist das „A und O“, um die rechtliche Prüfung der Wirksamkeit einer Kündigung, die Fristberechnung einer Kündigung etc. vornehmen zu können. Suchen Sie daher unbedingt Ihren Arbeitsvertrag aus Ihren Unterlagen heraus und führen Sie diesen zum Besprechungstermin mit sich. Sofern Sie vorher bei demselben Arbeitgeber bereits einen anderen Vertrag unterschrieben hatten oder die Firma einmal verkauft, übernommen oder fusioniert wurde, so suchen Sie auch alle noch vorhandenen Arbeitsverträge, Änderungsverträge und sonstige von Ihnen mit dem Arbeitgeber getroffenen Vereinbarungen zusammen.

Die Kündigungserklärung/en im Original (!) 
Um überprüfen zu können, ob der Arbeitgeber bei Ausspruch der Kündigung/en alle Formalien wirksam eingehalten hat, benötigt Ihr Anwalt alle Ihnen übergebenen Kündigungen im Original. Sofern diese/r noch vorhanden ist/sind bringen Sie bitte auch den/die Briefumschlag/umschläge, in denen die Kündigungen enthalten waren, zum Besprechungstermin mit.

Gehaltsabrechnungen
Bringen Sie möglichst die letzten 4 Monats-Gehaltsabrechnungen zum Besprechungstermin mit – Ihr Anwalt muss sich einen Überblick über das Ihnen regelmäßig gezahlte Gehalt inklusive aller Zulagen, regelmäßig anfallender Überstunden etc. verschaffen.

Abmahnungen
Selbst wenn in der Kündigungserklärung kein Grund oder ein anderer Grund genannt wurde, könnte der Arbeitgeber versuchen, die Kündigung mit angeblichem Fehlverhalten zu begründen. Für Ihren Anwalt ist es wichtig, zu wissen, was der Arbeitgeber „in der Hinterhand“ hält. Bringen Sie daher alle Ihnen in der Vergangenheit überlassenen Abmahnungen (auch solche die Sie vor längerer Zeit erhielten) zum Besprechungstermin mit.

Eine Liste der Namen der Kolleginnen und Kollegen
Für Ihren Anwalt könnte es wichtig sein, zu wissen, wie viele Mitarbeiter bei Ihnen in der Firma beschäftigt sind, wie viele Stunden diese wöchentlich arbeiten, wann diese in der Firma begonnen haben etc. Erstellen Sie (nur dann, wenn Sie nicht in einem „Großbetrieb“ arbeiten) vor dem Besprechungstermin mit Ihrem Anwalt schon einmal eine vorläufige Liste, in der Sie möglichst alle Kolleginnen und Kollegen namentlich erfassen.

Anhörung des Betriebsrates
Gibt es bei Ihnen im Betrieb einen Betriebsrat und wissen Sie, ob dieser vor Ausspruch der Kündigung vom Arbeitgeber angehört wurde? Falls ja, bitten Sie den Betriebsrat, Ihnen eine Kopie der Anhörungsunterlagen auszuhändigen und bringen Sie diese zum Besprechungstermin mit.

Tipp: Bringen Sie zum Besprechungstermin bei Ihrem Anwalt möglichst den gesamten, im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis aufgelaufenen Schriftverkehr und alle Ihnen arbeitgeberseitig zugestellten Schriftstücke mit – dies erspart Ihrem Anwalt Nachfragen nach einzelnen Dokumenten und Ihnen unnötige „Lauferei“. Warten Sie trotzdem nicht mit der Vereinbarung eines Besprechungstermins ab, nur weil sie einzelne Unterlagen nicht finden können – Schnelligkeit geht vor Vollständigkeit!

13. Ich möchte mein Arbeitsverhältnis selber kündigen – was muss ich dabei beachten?

In dem Falle, dass Sie Ihr Arbeitsverhältnis selber kündigen wollen, sollten Sie einige Dinge beachten, sofern Sie Schwierigkeiten mit Ihrem Arbeitgeber oder der Bundesagentur für Arbeit vermeiden wollen. Eine Kündigung durch den Arbeitnehmer muss – ebenso wie eine Kündigung durch den Arbeitgeber – zwingend schriftlich erfolgen. Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber Ihre Kündigung also schriftlich und unter Angabe des Beendigungsdatums mit.

Sie sollten im Falle einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch arbeitnehmerseitige Eigenkündigung berücksichtigen, dass die Bundesagentur für Arbeit Ihnen in diesem Falle eine sogenannte „Sperrfrist“ von 3 Monaten auferlegen wird. Mit anderen Worten erhalten sie für volle 3 Monate nach dem letzten Gehalt keinerlei Geld. Anders wäre der Fall, wenn Sie seitens des Arbeitgebers gekündigt würden – in diesem Falle erhielten sie ab dem ersten Tag nach Ablauf der Kündigungsfrist sofort Ihr Arbeitslosengeld. Sie sollten daher überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, auf den Arbeitgeber zuzutreten und diesen zu fragen, ob dieser am Arbeitsverhältnis festhalten will oder ob er nicht bereit wäre, Ihnen gegenüber eine Kündigung auszusprechen. Auch bei diesen außergerichtlichen Schritten helfen wir Ihnen gern.